... Ganzheitliche Medizin hat in ihrer Essenz nicht so viel, wie oft angenommen, mit den bekannten sanften und nachhaltig wirksamen Therapiemethoden zu tun. Sie entsteht vielmehr aus einer Haltung, einer genaueren Beobachtung und einem tiefen Respekt vor dem Leben. Ganzheitliche Medizin ist keine Medizin vom Fließband. Sie beruht neben einer guten Kenntnis der therapeutischen Mittel, auf einer guten Arzt-Patienten-Beziehung, auf Kommunikation, Achtsamkeit, Mitgefühl und Respekt. Jeder Mensch, jeder Mann, jede Frau und jedes Kind ist ein Individuum und wird als Mensch individuell behandelt.

Hierzu ist die Therapiefreiheit von Arzt und Patient von zentraler Bedeutung. Die Offenheit des Therapeuten, um den Menschen in seiner Einzigartigkeit zu erfassen, die Freiheit in der Wahl seiner oder ihrer Mittel und die Freiheit des Patienten, sich den passenden Arzt und die therapeutischen Mittel auszusuchen, denen er schließlich sein Leben – oder das Leben seiner Kinder anvertraut.

Freiheit bedeutet auch Verantwortung. Ärzte sind fachkundige Begleiter und geben Hilfestellung, damit Körper und Geist in Balance und stark sind. Wir helfen, dass Krankheiten erkannt, gelindert und geheilt werden.

In meiner Berufspraxis habe ich immer wieder bemerkt, dass es für die Weiterentwicklung ganzheitlicher Heil- und Lebensweisen auch einer neuen Grundlage in der Gesellschaft bedarf. Gesellschaft und die Medizin, so wie wir sie heutzutage praktizieren, wollen sich weiterentwickeln und mancher Irrweg in der Medizin braucht eine Heilung, besonders die Idee einer Medizin als gewinnbringendes Geschäftsmodell.

 

Der Heil- und Gesundungsprozess ist Sache der Beziehung zwischen Arzt und Patient. Die Einflüsse anderer Interessen sind einfach zu groß geworden und schränken die Verantwortung und Freiheit von Ärzten und Patienten in hohem Maß ein. In die Beziehung von Arzt und Patient dürfen keine politischen oder wirtschaftlichen Interessen hineinspielen.

 

In unserer modernen und auch technisch hochentwickelten Medizin haben wir dies manchmal aus den Augen verloren und in einer Art Machbarkeitswahn hat sie den Menschen ihre Selbstwirksamkeit immer mehr entzogen und ihrer Verantwortung und Freiheit regelrecht beraubt.

Das Vertrauen in den Arzt und die Heilmittel sind gut und wichtig. Dieses Vertrauen darf jedoch nicht missbraucht werden oder dazu führen, über den Patienten und seine Gesundheit zu bestimmen.

Mit dem guten Willen zum Vertrauen haben sich die Patienten und die Gesellschaft die Selbstwirksamkeit abnehmen lassen. Sie glauben Expertenmeinungen mehr als dem eigenen Empfinden und hinterfragen wirtschaftliche Zusammenhänge und Einflussnahmen nicht mehr.

In meinem Entscheidungsprozess zur Kandidatur für die BASIS, wurde ich auf die Worte von Rudolf Virchow, einem Mediziner aus dem 19. Jahrhundert, aufmerksam:

„Die Medizin ist eine soziale Wissenschaft, und die Politik ist weiter nichts als Medizin im Großen.”

 Interessanterweise gibt es in der Vorgeschichte, wie dieser großartige Arzt zur Politik kam, Parallelen zur aktuellen Zeit. Er forderte, wie die BASIS eine volle und uneingeschränkte Demokratie. 



1848 führte ein Schlüsselerlebnis dazu, dass Virchow seine naturwissenschaftlichen Erkenntnisse mit gesellschaftlichen

Beobachtungen verband. Die preußische Regierung schickte ihn damals nach Oberschlesien, um den Ausbruch einer Fleckfieber-Epidemie zu erforschen. Bald erkannte der begabte Arzt, dass vor allem Hunger, Armut und die mangelnde Hygiene an den Leiden der Bevölkerung schuld waren. Die Verantwortung dafür sah er interessanter Weise bei Staat und Kirche. Und so war sein Rezept: Politische und soziale Reformen – Die Einführung der Demokratie und der Aufbau eines gerechten Bildungssystems.

Froh über seine Erkenntnisse, kehrt Virchow nach Berlin zurück. Doch sein Abschlussbericht ruft bei der Regierung keine Begeisterung hervor. Mit seinen Erkenntnissen für einen notwendigen gesellschaftlichen Heilungsprozess bringt Virchow die preußische Führung gegen sich auf. Er bleibt seinen Zielen treu. Damals kritisiert und bekämpft, jedoch heute ein Vorbild für demokratische Prozesse. Während der Märzrevolution beteiligt sich Virchow sogar am Barrikadenbau in der Berliner Innenstadt nahe der Friedrichstraße.

 

Was Rudolf Virchow, als Demokraten so auszeichnet: Sein Beispiel zeigt, dass für das Wohl und die Gesundheit der Menschen auch ein politischer Fortschritt unabdingbar ist. Wissenschaftlich basiert, kritisierte er die Mächtigen seiner Zeit mit Klarheit und Leidenschaft, jedoch nie unfair oder mit Gewalt. Das Leben und Wirken von diesem großen Arzt hat mir selbst Mut gemacht, diesen Schritt in die „Politik“ zu gehen. Die Politik regelt die Dinge, die das Gemeinwesen, die Stadt und das Land betreffen. Wer ist die Stadt, das Gemeinwesen, der Staat? Es sind die Menschen.

Unsere Gesellschaft durchlebt gerade eine große Krise. Neben den notwendigen Weiterentwicklungen ist sie auch erkrankt. Wir leiden an der Idee, das Leben verändern zu müssen, statt von ihm zu lernen. Wir sind erkrankt von der Idee, alte Strukturen unbedingt erhalten zu müssen. Manche Teile der Gesellschaft sind erkrankt an einer Sucht nach Macht und Kontrolle. Ich trete an, um den Menschen ihre Macht und die Kontrolle über ihr Leben wieder zurück zu geben.

Krisen und Krankheiten bringen auch gesellschaftlich immer das an die Oberfläche, dessen Grundlage sich schon vorher im Inneren eines Körpers oder in einer Gesellschaft entwickelt hat. Es ist eine soziale Krankheit und es bedarf dringend einer gesamtgesellschaftlichen Heilung und Neuordnung. 

 

Die bedrohlichste aller Krankheit ist die Angst.

Dies betrifft sowohl den einzelnen Menschen, als auch die Gemeinschaften, in denen wir leben. Dies ist in der aktuellen Situation wohl jedem Menschen deutlich geworden.

Angst erzeugt Stress und ist eine der gesundheitsschädlichsten Faktoren in der Medizin. Angst lähmt den Menschen. Angst macht die Menschen unerreichbar für vernünftige Argumente. Angst isoliert die Menschen, spaltet die Gesellschaft und macht uns krank. Auf Schuld und Angst lässt sich keine Demokratie aufbauen.

Wenn ich diesen Schritt in die Politik gehe, folge ich damit weiterhin konsequent meiner Berufsordnung und stelle auch hier „mein Leben in den Dienst der Menschlichkeit“. 

 

Wir brauchen eine menschengerechte Politik.

Der Mensch ist wichtiger, als alte parteipolitische Strukturen. So kann der individuelle Mensch wieder ermächtigt werden und mehr Verantwortung in demokratischen Prozessen tragen. Das basisdemokratische Modell der BASIS ist in der Lage, den Menschen ihre Selbstbestimmung und Freiheit wieder zurückzugeben und eine zeitgemäße Politik für den Menschen zu entwickeln.

Dafür will ich mich mit großer Freude und gemeinsam mit den vielen, wunderbaren Menschen der BASIS mit meinem Leben einsetzen